Giorgio Avanti - Bergeslust
«O Lust vom Berg zu schauen, weit über Wald und Strom» – Joseph von Eichendorffs Gedicht «Bergeslust» besingt das Hochgefühl des Gipfels: den weiten Blick, den klaren Himmel, die Freiheit über den Wolken. Fanny Hensel-Mendelssohn vertonte diese Verse als ihre letzte Komposition – und schuf damit nichts weniger als eine Hymne an die Lebensfreude.
Giorgio Avanti, der Luzerner Maler mit Atelier in Walchwil, hat diese Lust auf seine Weise eingefangen. Er malt nicht die Berge, wie sie dastehen. Er malt ihr Klingen. Denn für Avanti ist Farbe nichts ohne Klang, kein Pinselstrich ohne vorhergehende Vibration. Die Stille der Bergwelt ist für ihn nicht die Abwesenheit von Klang, sondern sein Ursprung. Hier entspringt die überschwängliche Freude, die Eichendorff besang, hier beginnt die Sprache der Farben, die Avanti beim Malen wie eine unsichtbare Partitur begleitet.
In seinen neuesten Arbeiten, die nun in der Galerie Müller zu sehen sind, wird diese «Bergeslust» sichtbar: ein lautes, farbiges Gebrüll gegen das bedrohliche Grollen da draussen. Avanti versucht, die Saiten in uns zum Schwingen zu bringen – und lädt ein, sich von diesem Klang berühren zu lassen.
(Text: Isabel Studer)